E. T. A. Hoffmann | Filmstory

Erklärungen zum Film „E. T. A. Hoffmann in Berlin“

Portrait von E. T. A. Hoffmann

E. T. A. Hoffmann, anonymes Bildnis, früher als Selbstbildnis vermutet (Alte Nationalgalerie, Berlin)

E. T. A. Hoffmann (1776 – 1822) war Schriftsteller, Jurist, Komponist und Zeichner. In Königsberg (Ostpreußen) geboren, verbrachte er viele Jahr u. a. in Posen und Berlin.

Wir befinden uns mitten in Berlin. Eine kleine Statue aus Gußeisen (1992) zeigt Hoffmann hinter dem „Deutschen Dom“ und dem Konzerthaus in einem Holunderbusch. Unscheinbar. Heute befindet sich im Deutschen Dom eine Dauerausstellung zur Demokratieentwicklung in Deutschland seit 1848. Sein Blick fällt auf „sein“ Eckhaus mit dem berühmten Weinstube Lutter & Wegner.

Hinzu kommt suchend Tal Koch, hier „das zweite Ich von Hoffmann“. Tal streichelt vorsichtig die magische Schlange mit den bauen Augen, die über Hoffmanns Arm kriecht. Ein deutlicher Bezug auf das Kunstmärchen „Der goldne Topf“.

Tal geht auf das Eckhaus zu und betrachtet die Gedenktafel für E. T. A. Hoffmann. Hier hat er bis zu seinem Tod im Jahr 1822 gelebt und er schrieb die Novelle „Des Vetters Eckfenster“, von dem das bunte Treiben des Gendarmenmarktes sehen war.

Er geht in das Restaurant und hört schon das von ihm gesungene Lied nach einem Zitat aus Erzählungen von Hoffmann: Ich bin das, was ich scheine, und scheine das nicht, was ich bin, mir selbst ein unerklärlich Rätsel, bin ich entzweit mit meinem Ich!

Die Worte charakterisieren die innere Zerrissenheit, Widersprüchlichkeit und Unzufriedenheit von Hoffmann. Tal Koch, ein junger Komponist und Tenor aus Israel, hat den Satz für diesen Film vertont.

In dem vornehmen Restaurant hat sich Hoffmann sehr häufig aufgehalten und mit seinen Freunden gezecht, u. a. mit dem Schauspieler Devrient. Hier hat er bis in die Nacht hinein Wein getrunken und Geschichten erzählt, bekannt als Hoffmanns Erzählungen.

Tal, alias Hoffmann, sitzt voller Verzweiflung an mehreren Tischen mit einem leeren Glas und hört die Stimme seines eigenen Ichs. Auch in der berühmten Hoffmann-Stube voller Weinflaschen und einem Portrait von ihm dreht er das leer Glas und spiegelt sich darin. Das Restaurant ist paradoxerweise vollkommen leer, denn Die Filmaufnahmen entstanden auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie Anfang 2021. Ganz leer ist eben nicht halb leer oder gar halbvoll.

Zu dem vorgetragenen Lied sagt ein bekannter Kultur-Freund von uns: „Von der Stimmung her fast eine Mischung von Offenbach, Schönberg und Schostakowich. Recht abstrus, für „Normalbürger“ eher schwierig,

Nach dem Abstrusen finden wir mit Hoffmann die Erfüllung in der Musik. Das Konzerthaus (früher Schauspielhaus) und die Staatsoper liegen nur einen Steinwurf entfernt. Katsuya Watanabe, ein weit bekannter und geschätzer Solo-Oboist spielt „Pas de deux“ aus dem Nußknacker von Peter Tschaikowski im Restaurant. Tal, hört andächtig zu. Wir fühlen uns ins Konzerthaus versetzt, ein Foto vom Konzertsaal hängt an der Wand.

Nach einem Schwenk zur Staatsoper kommen wir zu dem juristischen Mittelpunkt von Hoffmann, dem Kammergericht. Hier war er bis zu seinem Tod als Kammergerichts-Rat tätig, die Gedenktafel zeigt die Geschichte des Bauwerkes. Wir haben eine Karikatur von Philipp Heinisch vor dem Gebäude aufgestellt. Heinisch gilt als d e r Karikaturist des Juristischen und erklärt das Bild selbst. Es zeigt den Kampf, den Hoffmann mit der Polizeibehörde und dem eigenen Gericht hatte und den er satirisch im „Meister Floh“ darstellte. Das frühere Kammergericht ist heute Teil des Jüdischen Museums.

Neben dem Neubau des Jüdischen Museums von Daniel Liebeskind zeigen wir im Film den sogenannten Hoffmann-Garten, der seit dem Neubau „Garten des Exils“ heißt. Es handelt sich um 7×7 also 49 Stelen, die mit Ölbäumen bewachsen sind. Die Gründe der Umbenennung lassen wir in dem Film offen. Die Szene geht über zu dem „Friedhof vor dem Halleschen Tor“, auf dem Hoffmann begraben wurde. ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Wir lassen den Film mit Worten von E.T A. Hoffmann ausklingen, gesprochen von Irene Aselmeier, unserer beratenden Literaturwissenschaftlerin:

Es gibt eine innere Welt, und die geistige Kraft, sie in voller Klarheit, in dem vollendetsten Glanze des regesten Lebens zu schauen, aber es ist unser irdisches Erbteil, daß eben die Außenwelt in der wir eingeschachtet, als der Hebel wirkt, der jene Kraft in Bewegung setzt.

Konrad Kutt – 10. 4. 2021

Eine Antwort zu E. T. A. Hoffmann | Filmstory

  1. lesestoff schreibt:

    Es gibt noch eine Bücherbox im Schillerkiez in Neukölln, am Herfurthplatz Richtung Flughafen Tempelhof.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.